"Alle meine Farben"

Immer wieder konnten die Erzieherinnen beobachten, dass sich die Kinder in der Krippegruppe für Farben interessieren. Sie versuchten, Spielmaterialien farblich zuzuordnen, benannten Farben ihrer Kleidung („Ich habe heute ein gelbes Kleid an“) und äußerten Wünsche bei der Vergabe der Sitzkissen des Morgenkreises („Ich möchte auf grün sitzen“) oder bei der Vergabe der Lätzchen am Tisch („Ich möchte blau“). Da die Spielgaben der Gruppe zumeist in den Grundfarben blau, gelb, rot und grün gestaltet sind, beschäftigten die Kinder sich wiederkehrend mit diesen Farben und versuchten regelmäßig, diese zu benennen und in der restlichen Umwelt zu suchen, beim Spielen mit bunten Holz- oder Lego-Bausteinen, beim Hantieren mit dem Geschirr der Puppenküche, beim Betrachten von Bilderbüchern usw..

Schnell fiel die Wahl des neuen Projektthemas auf das Gebiet der Farben, da diese ein wunderbares Experimentierfeld für Kinder darstellen.

Zunächst geht es darum, dass Kinder sich selbst und ihre Umwelt kennen lernen, also bewusst sehen, bevor sie sich weiteres Wissen aneignen können.

Darüber hinaus animieren Farben die Kinder, sich mitzuteilen. Zunächst werden sie analysieren, wahrnehmen und sich Wissen über Farben aneignen, das sie dann verbal oder nonverbal an ihre Umwelt weitergeben möchten.

Farben haben einen immensen Einfluss auf uns Menschen und begegnen uns im Alltag permanent in verschiedenen Formen.

Zu Beginn des Projektes wurde zunächst einmal das Wissen über die Grundfarben vermittelt und darauf aufbauend alters-, entwicklungs- und kindgerecht die Mischfarben/der Farbkreis.

Die einzelnen Schritte fördern außerdem insbesondere die Sprachentwicklung/die Ausdrucksfähigkeit, das Sozialverhalten und regen die Fantasie und die Kreativität an.

Theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema

Farben spielen eine große Rolle in unserem täglichen Leben:

·     Als Zeichen und Signale (Straßenverkehr)

·     Zum Ausdruck von Gefühlen/Stimmungen (Kleidung oder Schminke etc.)

·     Als Symbol für eine Stammes-/Religionszugehörigkeit: Eine Braut im Orient trägt Rot, im   Westen weiß.

·     Um psychische und physische Leiden zu heilen in Form von Farbtherapien

·     Als Zeichen dafür, ob etwas essbar ist oder nicht (grünes Obst ist meist noch unreif)

·     Die Farbe der Kleidung signalisierte in der Vergangenheit oft den gesellschaftlichen Rang einer Person

·     Die Farbe des Fells, der Haut, des Gefieders etc. bei Tieren zum Schutz, zur Tarnung oder  als Signal/Warnung.

·     Interessant ist ebenfalls, dass wir die Farben eines Regenbogens immer wieder in derselben Reihenfolge sehen. Außen Rot und Innen ein Blauviolett. Die Grundfarben sind Rot, Gelb, Grün und Blau. Die Übergänge dazwischen nehmen wir als Mischungen war –  z. B. Orange zwischen Rot und Gelb. Jeder Mensch nimmt einen Regenbogen in unterschiedlich vielen Farben wahr. Es ist nach wie vor unklar, wie viele Farbnuancen das menschliche Auge unterscheiden kann. Man geht von ca. 100.000 aus.

 

Die einzelnen Projektschritte gestalteten sich folgendermaßen:

 

Projektschritt 1

Nachdem die Kinder sich im Morgenkreis musikalisch begrüßt hatten, durfte jedes Kind einen aufgeblasenen Luftballon aus einer Kissenhülle nehmen, die Farbe benennen und es im Anschluss mit einer farbigen Wäscheklammer an einer Schnur aufhängen. Nachdem alle an der Reihe waren, haben wir für jedes einzelne Kind nacheinander noch einmal die gezogene Farbe benannt und passend dazu das Lied „ein großer, ein runder, ein … (Farbe) Luftballon“ gesungen.

Projektschritt 2

Die Kinder durften Ausmalbilder von Jungen und Mädchen analog Ihrer Kleidung gestalten. Damit dies einfacher gelingen konnte, haben sie das eigene Spiegelbild öfters mit der Malvorlage verglichen. Das ist ihnen sehr gut gelungen!

Projektschritt 3

Wir haben vier kleine Eimerchen in den Farben grün, gelb, rot, blau in der Mitte des Morgenkreises positioniert. Nacheinander durften die Kinder in zwei Durchgängen Bausteine in denselben Farben aus dem ihnen bekannten „Zaubersäckchen“ ziehen und in den dazu passenden Eimer werfen. Das hat super geklappt und sie haben sich gegenseitig geholfen

Projektschritt 4

Heute hat sich meine Hand mit Hilfe eines Handschuhs verwandelt. An den Fingern klebten ein roter, gelber, blauer und grüner Luftballon. Ich habe den Kindern das Fingerspiel „Vier bunte Luftballons“ vorgemacht. Das machte so viel Spaß, dass wir es dreimal wiederholt haben.

Projektschritt 5

Die Kinder haben Fensterbilder gestaltet. Hierfür haben sie durchsichtige Joghurt-Deckel verwendet. Zur Verfügung standen die Farben rot, gelb, grün und blau mit je einem Wattestäbchen. Mit diesem haben die Kinder auf dem Deckel gemalt und mit Staunen erkannt, dass neue Farben entstehen, wenn sich Farben mischen. Im Anschluss haben wir die Fensterbilder noch mit buntem Krepppapier verschönert.

 

Projektschritt 6

Die Kinder haben am Maltisch mit dicken Buntstiften frei Hand auf Papier gezeichnet. Dabei haben wir immer wieder das Thema Farben aufgegriffen, indem wir uns gegenseitig die jeweiligen Stifte gereicht haben oder über die entstandenen Gemälde gesprochen haben.

Projektschritt 7

Die Kinder haben sich mit Mischfarben beschäftigt. Sie haben geschaut, was passiert, wenn man Rot mit Gelb, Rot mit Blau und Gelb mit Blau mischt. Das war sehr spannend.

Projektschritt 8

Nach dem Frühstück hat sich die Krippengruppe auf den Weg gemacht, „Rotes“ in der Natur zu entdecken. Dabei half uns eine Farbkarte in Rot, die es uns ermöglichte, das Gesehene mit dieser zu vergleichen. Die Kinder haben sehr viel Rotes in Epfenbach gesehen und waren hoch motivierte Entdecker.

Projektschritt 9

Die Kinder haben bunte Rasseln gebastelt. Sie haben sich nacheinander einen farbigen Joghurtbecher ausgesucht und diesen mit buntem Material, wie kleinen Holzkugeln, zerschnittenen Strohhalmen und kleinen Sternen, befüllt. Im Anschluss haben sie eine Abdeckung für die Rassel aus grünem, blauem, rotem oder gelbem Krepppapier ausgesucht, um die Rassel zu verschließen. Jeder durfte den Klang seiner Rassel ausprobieren - das hörte sich toll an!

Projektschritt 10

Die Kinder haben die Rasseln vom Vortag ausprobiert. Im Uhrzeigersinn durfte dann jedes Kind die Farbe seines Pullovers nennen und wir haben mit dieser das Luftballon-Lied „ein großer, ein runder, ein … (Farbe des Pullovers) Luftballon“ gesungen und mit den Rasseln begleitet. Als jedes Kind an der Reihe war, wurden die Rasseln beiseite gestellt und ich habe ein „Zaubertäschchen“ hinter meinem Rücken hervor geholt. Erst durften die Kinder raten, was sich wohl darin befände bis einige Kinder eine Farbkarte ziehen und benennen durften. Diese Karten wurden in die Mitte des Kreises gelegt und die restlichen Kinder haben nacheinander einen passenden Gegenstand dazu geholt und mit der Karte verglichen.

Projektschritt 11

Die Kinder haben ein Farbensteckspiel gespielt, wo es darum geht, einem Schmetterling Flügel (4 Steine) und einen Kopf (1 Stein) zu verleihen. Jedes Kind durfte nacheinander mit dem Farbwürfel würfeln und dann einen farbig passenden Stein in die Schmetterlingsschablone einsetzen.

Projektschritt 12+13

Im Sitzkreis haben die Kinder heute das Buch „der kleine weiße Fisch“ vorgestellt bekommen. Darin geht es um einen kleinen, weißen Fisch, der seine Mutter verloren hat und sich auf die Suche nach dieser begibt. Unterwegs trifft er unterschiedliche Tiere, die unterschiedliche Farben haben (in der Reihenfolge des Regenbogens), die er dazu befragt, ob sie seine Mutter gesehen haben. Die Tiere verneinen und so schwimmt der kleine, weiße Fisch immer weiter bis er schließlich doch auf seine Mutter trifft. Sie ist natürlich ebenfalls weiß und trägt auf dem Rücken die Farben des Regenbogens.

Nach der Buchvorstellung durfte jedes Kind nacheinander eines seiner Kleidungsstücke farblich benenne und wir haben das Lied „(grün, grün, grün)… sind alle meine Kleider“- passend zur genannten Farbe des Kindes- gesungen.

Projektschritt 14

Einige Erzieherinnen haben für die Kinder die Geschichte des kleinen Schweinemädchens Rosa und ihren 4 Brüdern in einem Schattenspiel dargestellt.

 

Projektschritt 15

Das Buch „der kleine, weiße Fisch“ wurde nochmals im Morgenkreis besprochen. Daraufhin habe ich ein Tablett mit Zucker, Löffeln, 6 Gläsern und Lebensmittelfarbe geholt. Nacheinander durften die Kinder erst einen Löffel Zucker, dann zwei, dann drei usw. in die einzelnen Gläser füllen. Es wurde nochmal Seite für Seite die Farben der Tiere besprochen, die dem kleinen, weißen Fisch begegnen und hierzu passend die Farben nacheinander in die Gläser gefüllt. (Wasser und Lebensmittelfarbe). Am Ende wurden die Flüssigkeiten in umgekehrter Reihenfolge in ein Glas gefüllt und man konnte im Sonnenlicht einen Regenbogen strahlen sehen. Erstaunlich!

Projektschritt 16

Während der Turnzeit im großen Turnraum durften die Kinder die Farben von Luftballons erraten, mit denen sie im Anschluss eine bunte Turnrunde mit Werfen, Fangen, Balancieren usw. erleben konnten.

Projektschritt 17

Die Kinder durften die Farben und Geschmäcker verschiedener Säfte kennenlernen. Es wurden ihnen folgende Säfte zunächst farblich näher gebracht bevor sie diese probieren und erraten durften: Apfel-, Karotten-, Orangen-, Kirsch-, Johannisbeer- und Tomatensaft.

Projektschritt 18

Wattebällchen wurden auf Fäden gezogen und mit dem restlichen Saft vom Vortag eingefärbt. Die Kinder durften sie in verschiedene Schälchen mit den Säften eintauchen und danach zum Trocknen in die Sonne legen. Im Anschluss wurden die wattebehängten Schnüre über dem Esstisch aufgehängt.

 

Projektschritt 19

Am Vortag haben die Kinder gemeinsam Quarkfarbe hergestellt. Dafür verwendeten sie rote, gelbe, blaue und grüne Lebensmittelfarben, die mit Wasser und Speisequark gemischt wurden. Diese kamen dann in den Kühlschrank.

Die Krippenkinder konnten im aufgeheizten Wickelraum- nur in Windeln bekleidet- wahlweise auf dem Papier, das auf dem Boden ausgebreitet war, dem eigenen Körper oder dem Körper anderer Kinder (das Einverständnis Voraus gesetzt) mit den Quarkfarben malen. Ein absolutes Highlight!

Projektschritt 20

Die Kinder durften an verschiedenen Spielstationen ihr Können ausprobieren:

Station 1: leere Toffifee-Schachtel, deren Felder in rot, grün, gelb oder blau bemalt sind und die  Kinder hierzu passend Spielfiguren hineinlegen konnten

Station 2: Schwämme in eben diesen Farben zum Türme bauen etc.

Station 3: leere Überraschungseier zum Werfen, Balancieren etc.

Station 4: Große, leere Joghurtbecher zum Stapeln, Parcours bauen etc.

 

Projektschritt 21

Die Kinder haben Regenbogen-Muffins gebacken. Diese waren sehr lecker!

Projektschritt 22

Die Kinder konnten erneut das Entstehen von Mischfarben beobachten. Hierfür wurden drei Klarsichtfolien je mit einer Farbe auf der rechten und einer Farbe auf der linken Seite befüllt. (gelb-rot, gelb-blau, blau-rot). Danach durften die Kinder mit dem Finger auf diesen malen und so entdecken, dass sich die Farben mischten, tolle Muster und neue Farben entstanden.

 

Projektschritt 23

Die Kinder lernten das Buch „Zinnober in der grauen Stadt“ kennen. In diesem geht es darum, dass Maler Zinnober in einer grauen Stadt lebt, in der es wirklich nichts Buntes gibt. Ebenso ist die Stimmung der Menschen in dieser Stadt. Eines Tages zerstört Zinnober versehentlich während seiner Malerarbeiten die bunten Zeichnungen zweier Kinder und ist darüber sehr unglücklich, denn eigentlich mag er auch lieber Buntes. In der darauf folgenden Nacht beschließt er, seine Stadt bunt zu malen, zunächst heimlich. Die beiden Kinder finden heraus, dass er derjenige ist, der alles bunter macht und schließen sich ihm an bis letztendlich die ganze Stadt bunt wird und auch die Menschen wieder fröhlicher.

Projektschritt 24

Die Kinder unterhielten sich nochmals über das Buch „Zinnober in der grauen Stadt“. Gemeinsam ließen sie die Geschichte noch einmal Revue passieren. Danach haben die Kinder im Freien ein Kartonhaus bunt bemalt- ganz wie der Maler Zinnober in seiner grauen Stadt. Das Kartonhaus wird nach wie vor gerne im Krippenraum genutzt.