In der Krippe wird Musik gemacht 

Jeden Morgen findet in der Krippe ein Morgenkreis statt. Dabei  werden hauptsächlich Lieder gesungen, Fingerspiele gemacht und einfache Kreisspiele gespielt. Durch den Morgenkreis bekommen die Kinder Struktur in ihren Tagesablauf. Der Tag wird planbar und erlebbar. Er ist gekennzeichnet von vielen Ritualen und Wiederholungen, die den Kindern Sicherheit geben und einen gewohnten Rahmen bieten.

Innerhalb dieses  Rahmens können die Kinder ausprobieren und lernen nach und nach selbst einmal im Mittelpunkt zu stehen. Sie lernen dadurch mit ihrer Aufregung zurechtzukommen, sammeln Mut und festigen ihr Selbstbewusstsein. Das gemeinsame Singen fördert die Beziehung zwischen den Kindern und den Erzieherinnen als deren Bezugspersonen.

Kinder singen von Natur aus gerne. Sie reagieren auf Geräusche und Klänge ihrer Umwelt. Schon ihre ersten Laute sind melodische Klänge und sie erforschen dadurch ihre eigene Stimme. Sobald Sie sitzen können, wiegen sie ihren Körper beim Klang von Musik hin und her und sie fangen an zu „tanzen“. Es ist wichtig, diese natürliche Lust am Singen zu erhalten.

Wir haben festgestellt, dass die Kinder sich den Text der Lieder und Spiele sehr gut einprägen können und sie sich mit Zunahme ihrer sprachlichen Fähigkeiten immer mehr mit großer Freude beteiligen am Gesang. Außerdem können die Kinder die Melodie der Lieder halten, wenn die Lieder im Tonraum der Kinder gesungen werden und nicht zu tief angestimmt werden. Die Kinder entwickeln Vorlieben und äußern eigene Wünsche, die im Morgenkreis aufgegriffen werden und darauf eingegangen wird. Mit diesen Erfahrungen wollte sich die Erzieherin gemeinsam mit den Kindern auf den Weg machen und neue Dinge rund um das Thema Musik ausprobieren.

In Kleingruppen wurden verschiedene Instrumente ausprobiert: der eigene Körper durch klatschen oder patschen, Trommeln, Klangstäbe, Triangeln und vieles mehr. Dazu lernten die Kinder kleine rhythmische Verse oder Klanggeschichten. Eine neue Lerneinheit begann immer nur mit einem neuen Element. Dieses wurde über mehrere Wochen hinweg immer wieder wiederholt. Kleine Kinder brauchen immer wiederkehrende Wiederholung, um zu lernen, deshalb war es wichtig, dass sie viel Zeit zum Lernen bekamen. Jedes Kind bekam das gleiche Instrument und konnte die gleichen Erfahrungen machen. Nach und nach kam zu dem bekannten Element ein neues dazu. Abschließend wurde es im Morgenkreis präsentiert.

Parallel dazu lernten die Kinder immer wieder neue Lieder. Einige davon wurden in unser festes Repertoire im Morgenkreis integriert. Gerade bei Liedern ist die Verbindung mit rhythmischen Elementen wichtig. Durch die Verbindung von Musik und Bewegung lernen die Kinder ihre Sinneswahrnehmung zu entwickeln und zu verfeinern. Sie lernen den Raum mit seinen Dimensionen kennen und lernen Abstände einzuschätzen. Sie trainieren ihr Zeitempfinden durch den Puls und die Phrasen des Liedes. So lernen sie auch die Zeitdimensionen des eigenen Körpers wie Herzschlag, Atemtempo und Schritttempo kennen.  Sie entwickeln auch ein Gefühl für Kraft und dessen Dosierung, bspw. bei der Entwicklung der Konzentration, dem Kraftaufwand für eine Bewegungsaufgabe. Sie können Bewegungsmuster erkennen und einschätzen und erkennen Wiederholungen in Reimen und Liedern. Außerdem wird durch Singen die Sprachentwicklung gefördert.

Auch bei den Liedern ist es wichtig, dass diese immer wieder wiederholt werden. Die Kinder können das gelernte dadurch verinnerlichen. Anfangs hörten die Kinder nur zu bei einem neuen Lied. Wenn sie aber davon angesprochen und berührt werden, zeigen sie bald Freude und Begeisterung und sind sehr aufmerksam. Im nächsten Schritt ahmen sie die Bewegungen nach oder wippen und klatschen mit ihrem Körper. Kinder, die schon sprechen können, fangen dann an, einprägsame Teile mitzusingen. Wenn die Kinder im letzten Schritt dann beim eigenen Spiel das neue Lied singen, ist es ganz und gar angekommen beim Kind, dann hat es im Alltag seinen Platz gefunden.

Ein ganz großes Lieblingslied der Kinder sind die „5 kleine Fische“ geworden. Der Hai möchte die Fische, die mit ihm im Meer schwimmen fressen und die Fische flüchten in ihren Teich. Die Kinder durften das versanschaulichen mit Fischen, die sie vom Meer in den Teich legen. Sie sangen das Lied mit solcher Begeisterung, dass wir uns dazu entschlossen, dies den Eltern beim Gartenfest zu präsentieren. Die Kinder waren sehr aufgeregt, aber nachdem sie sich ein bisschen gelegt hatte, sangen sie stolz und lauthals mit. Auch zu Hause singen die Eltern das Lied mit ihren Kindern und viele Eltern erzählen beim Bringen, dass sie heute Morgen schon mit ihrem Kind gesungen haben!